Die Politik macht nicht genug!
Politik im Kampf gegen Sepsis: Wer wegschaut und wer handelt
Die ersten Politiker in NRW machen sich stark gegen Sepsis
In Nordrhein-Westfalen beginnt sich politisch etwas zu bewegen: Die ersten Politiker unterstützen die Kampagne Jann-190 und setzen sich dafür ein, Sepsis stärker in den öffentlichen und politischen Fokus zu rücken.
Thomas Rachel, Mitglied des Deutschen Bundestages, übernimmt die Schirmherrschaft für die Kampagne Jann-190.

Mit seiner Unterstützung wird ein wichtiges Zeichen dafür gesetzt, dass die Aufklärung über Sepsis, ihre frühzeitige Erkennung und die Verbesserung der Versorgung stärker in den politischen Fokus rücken müssen.
Dr. Ralf Nolten, Landrat des Kreises Düren

Er ist Schirmherrschaft des jährlichen Mahnmal der Kampagne Jann-190 auf dem Jülicher Schlossplatz. Darüber hinaus unterstützt er als Schirmherr weitere Aktionen der Kampagne im Sepsis-Monat September.
Mit seiner Schirmherrschaft setzt er ein wichtiges Zeichen für mehr Aufmerksamkeit, Aufklärung und frühzeitige Erkennung von Sepsis und unterstützt damit das Anliegen von Jann-190, das Bewusstsein für die tödliche Gefahr einer Sepsis in der Öffentlichkeit zu stärken.
Axel Fuchs Bürgermeister von Jülich

Von Anfang an mit dabei und Schirmherr von “Jülich rüstet gegen Sepsis”.
Er unterstützt das Ziel, Jülich zu einer Vorreiterregion im Kampf gegen Sepsis zu machen und das Bewusstsein für die frühzeitige Erkennung und Behandlung dieser lebensbedrohlichen Erkrankung zu stärken.
Frau Claudia Middendorf, Beauftragte der Landesregierung NRW für Menschen mit Behinderung sowie für Patientinnen und Patienten

Sie kam auf Einladung der Kampagne Jann-190 am 1. Juli 2026 nach Jülich.
Nach den ausführlichen Informationen über die große Gefahr von Sepsis und die besonders hohen Sepsis-Todeszahlen in Deutschland zeigte sie sich entschlossen, die Kampagne zu unterstützen und dem Thema Sepsis mehr Aufmerksamkeit zu verschaffen.
Sie möchte die Problematik auch in die Landesregierung tragen und sich dafür einsetzen, dass Sepsis in Nordrhein-Westfalen stärker wahrgenommen und politisch weiter vorangebracht wird.
27.07.2026 Antwort auf meinen Antrag für einen Nationalen Sepsis Plan von Bundesgesundheitministerin Nina Warken
Der Bundestagabgeordnete Thomas Rachel hat meinen Antrag auf einen Sepsis Plan an Frau Warken überreicht.
Sie lehnt eine nationale Sepsis Strategie ab und zählt eine Reihe von Maßnahmen auf die eingeleitet wurden:
- “Nationaler AMR (Antimikrobielle Resistenzen) um Maßnahmen zur Sepsisbekämpfung zu ergänzen”
- "Ausreichend qualifiziertes Personal ist eine Vorraussetzungh für den sachgerechten Antibiotikaeinsatz und für die Senkung der Sepsis Todesraten in Krankenhaus"
-
“Zudem fördert BMG seit 2021 die bundesweite Aufklärungskampagne `Deutschland erkennt Sepsis`jährlich mit einer Fördersumme von ca. 1,5 Millionen Euro”
Meine Meinung: Experten und Organisationen bemängeln seit Jahren, dass diese Schritte nicht ausreichen. Während andere Länder durch strikte, flächendeckende Früherkennungssysteme ihre Sterberaten senken konnten, verharren die Zahlen in Deutschland auf einem kritischen Niveau. Ich fordere daher eine konsequente und prioritäre Umsetzung der WHO-Sepsis-Resolution, da ein Großteil der Todesfälle durch verbindliche klinische Standardprozesse nachweislich vermeidbar wäre.
Politiker vs. Sepsis
Warum wird der seit 2013 dringend geforderte nationale Sepsis Plan in Deutschland von den Politikern nicht gesetzlich durchgesetzt?
Die Antwort kam von einer Geschäftsstelle der Bundesregierung:
Die Bedrohung durch Sepsis ist ein leises Thema. Leise Themen haben keine Priorität bei den Politikern. Mit diesem Thema erreicht man zu wenige Leute (Wähler) aus der Bevölkerung.
Sepsis fordert 380 Tote täglich in Deutschland (das sind mehr als doppelt so viele wie Herzinfarkt- und Schlaganfallverstorbene zusammen), wissen die wenigsten Mitmenschen. Hinzu kommen täglich 370 Sepsisfälle mit schwerwiegenden Langzeitfolgen. Viele Angehörige erfahren nicht, dass Patient*innen an einer Sepsis verstorben sind. Wir müssen dringend die breite Öffentlichkeit erreichen, damit aus diesem leisen Thema für die Politiker endlich ein lautes wird.
Es ist unfassbar, dass unsere Politiker nicht auf diese grausam hohen Todeszahlen, oder auf die überlebenden Sepsiserkrankten mit ihren schwerwiegenden Langzeitfolgen reagieren.
Ist es nicht das Grundanliegen des Staates, seine Bürger zu schützen?
Sie zu achten und zu schützen ist Verpflichtung aller staatlichen Gewalt.2
1 Prof. Reinhart Sepsis Stiftung
2 (Art.1Abs.1 GGB)
1. Pflegenotstand in Deutschland!
Während Janns Krankenhausaufenthaltes haben sich drei Wunden gebildet, darunter ein Dekubitus Grad 2. Die Wunden wurden mangelhaft oder gar nicht versorgt. Wie bereits erwähnt starb Jann, einen Tag vor seiner Entlassung, an einer Sepsis.
Auf Janns Krankenstation waren die Krankenschwestern und Pfleger unterbesetzt, nervös und überfordert. Sie waren im Stress, die Arbeitsbelastung zu hoch.
„Mehr Auszubildende, bundeseinheitliche Personalbemessung, eine höhere (tarifliche) Entlohnung, bessere Arbeits- und Ausbildungsbedingungen in der Pflege sind die zentralen Ziele der Bundesregierung.1
Es wird Zeit diese Ziele auch umzusetzen!
Eine breite Mehrheit, 86% der Menschen in Deutschland, sprechen sich dafür aus Investitionen und Pflegeschlüssel im Bereich Gesundheit und Pflege zu erhöhen.2
Deren verantwortungsvolle Arbeit ist so wichtig für uns und unsere Angehörigen.
Patientenwohl ist der ethische Maßstab für ein Krankenhaus.
1 https://www.bundesgesundheitsministerium.de/konzertierte-aktion-pflege
2 Hans-Böckler Stiftung 2021
2. Nationaler Sepsisplan auch für Deutschland!
Wieso gibt es in anderen Staaten bereits den Sepsisplan mit dem Resultat weit geringerer Todeszahlen und der seit 2013 in Deutschland geforderte Sepsisplan wird nicht umgesetzt?
„Sepsis ist die am häufigsten vermeidbare Todesursache“1. Mit über 140.000 Todesfällen pro Jahr allein in Deutschland ist die Sepsis häufiger als Herzinfarkt, Brust- oder Darmkrebs. Ein Nationaler Sepsisplan soll helfen, die Zahl der Sepsisfälle zu senken, Leben zu retten und Sepsisfolgen zu verhindern.“2
Wir fordern die Initiierung eines Nationalen Aktionsplans gegen Sepsis mit folgenden Schwerpunkten:
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Bessere Aufklärung von Laien und medizinischem Fachpersonal über Vorbeugung und Früherkennung von Sepsis. Jann hatte schon Tage vor seinem Tod eindeutige Anzeichen einer Sepsis. Die Ärzte haben dies nicht erkannt!
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Einführung von Qualitätsverbesserungsoffensiven in Gesundheitseinrichtungen
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Veröffentlichung der Sepsishäufigkeit und -sterblichkeit.Es gibt kein zwingendes Register für Sepsissterblichkeit.
Wir hätten gegen die Klinik klagen müssen damit Jann, als Patient an Sepsis verstorben, registriert wird.
Hier nochmal: Alle die einen Todesfall mit Sepsis kennen, bitte tragen sie sich in unser Register ein. -
Geeignete Rehabilitations- und Behandlungsangebote für Menschen mit Sepsisfolgen
Ich habe viele Abgeordnete und einige betroffene Minister angeschrieben. Einige haben bereits geantwortet. Bis jetzt wird tendenziell der nötige Einsatz gegen die Sepsissterblichkeit betont und auch immer mal wieder dieses Thema auf die jeweils andere Partei geschoben.
Warum werden für so viele Menschen solch überlebenswichtigen Entscheidungen nicht getroffen? Sind so viele andere Entscheidungen im Bundeshaushalt wichtiger?
Die Annahme, dass das vom Bundesgesundheitsministerium seit 2021 geförderte Aktionsbündnis“DeutschlandErkenntSepsis” wesentlich zur Lösung "dieser immensen gesamtgesellschaftlichen Herausforderung" beitragen könne, sei, trotz des erheblichen Engagements der Bündnispartner, zu denen auch die Sepsis Stiftung gehört, unrealistisch. Kollektive, freiwillige Qualitätssicherungsmaßnahmen auf Krankenhausebene hätten sich in Deutschland als ineffektiv erwiesen. 1
Wir wissen als Eltern nicht, wie wir den Tod unseres Sohnes aushalten sollen. Vielen anderen Angehörigen und Freunden von Sepsis Verstorbenen geht es genauso und es werden immer mehr in diese verzweifelte Situation kommen.
Wir müssen diesen Wahnsinn stoppen!
Wir fordern endlich den nationalen Sepsis Plan!!!
Quellennachweis
1 aerztzeitung,de,2018
2 Sepsis-stiftung.de
3 Sepsis-Stiftung
Kneipentalk mit Gesundheitsminister Prof. Lauterbach
….Besonders am Herzen aber liegt Lauterbach, seine Krankenhausreform zu erklären. Deutschland sei in der Krankenhausversorgung bislang nur Mittelmaß, habe aber gleichzeitig die höchsten Ausgaben. „Bei schweren Gefäßeingriffen, Krebserkrankungen oder Traumata liegt die durchschnittliche Lebenserwartung hierzulande nur im Durchschnitt oder sogar teils darunter.“ Angehörige hörten dann, dass der Betroffene „es“ nicht geschafft habe. „Die Wahrheit ist aber, dass wir es nicht geschafft haben, die beste Versorgung zu gewährleisten. Wir erreichen keine Spitzenmedizin“, beklagt Lauterbach….
… Der Bericht einer Mutter, deren Sohn an einer Sepsis gestorben ist, und die Forderung nach besseren Schulungen – fanden ebenfalls Zustimmung von Lauterbach…. (Auszüge Aachener Zeitung von M. Gullert )
Prof. Lauterbach bestätigte die hohe Bedrohung durch Sepsis in Deutschland und betonte auch dies als dritthäufigste Todesursache in Deutschland. Bei der Frage nach einem nationalen Sepsisplan für Deutschland verwies er auf die Krankenhäuser.
Anschließend hatte ich noch ein Gespräch mit Claudia Moll (Bundespflegebeauftragte der Bundesregierung). Sie wird Informationen über die Möglichkeiten und Zuständigkeit für die Umsetzung eines Sepsisplans einholen und mich im Januar kontaktieren. Vielen Dank dafür!
Ich habe das Gefühl, dass die Verantwortung für den Entscheid eines nationalen Sepsisplan zwischen dem Bund und den Ländern hin und her geschoben werden. Siehe Politiker vs. Sepsis.
Welche Entscheidungen der Politik sind wichtiger als zu verhindern, dass wir unsere eigenen Kinder beerdigen?
Martha´s Rule in Großbritannien
Janns Regel in Deutschland
Februar 2025 Meine Begegnung mit Merope Mills:
Martha´s Rules
Im Sommer 2021 stürzte ihre Tochter Martha mit dem Fahrrad und verletzte sich an der Bauchspeicheldrüse. Obwohl sich ihr Zustand verschlechterte reagierten die Ärzte nicht entsprechend. Merope hatte ihre Besorgnis über Marthas Verschlechterung geäußert, doch ihre Meinungen seien von den Fachärzten und Assistenzärzten ignoriert oder zurückgewiesen worden. Sie berichtete, Martha habe sechs Tage vor ihrem Tod eine schwere Sepsis entwickelt.
Wie bei unserem Sohn Jann.
Martha starb am 31. August 2021 an einem septischen Schock.
Da Merope Journalistin ist, wurde diese dramatische und traurige Geschichte in allen großen britischen Zeitschriften intensiv dokumentiert. Der Artikel wurde weithin gelesen und an medizinischen Fakultäten studiert und machte auch vor den Politikern nicht halt. Am 21. Februar 2024 kündigten NHS England und das Gesundheitsministerium, die Einführung von Martha’s Rule an. Bis heute mit großem Erfolg.
Ich wünschte ich hätte auch diese Reichweite.
Martha's Rule ist eine Patientensicherheitsinitiative, die ab April 2024 in englischen NHS- Krankenhäusern umgesetzt wird. Sie ermöglicht Patienten, Familien, Pflegekräften und Krankenhauspersonal, die Bedenken hinsichtlich der Verschlechterung des Zustands eines Patienten haben, eine schnelle Untersuchung durch ein Intensivpflege- Team.